Mit „Weltverbecherern und Rebowlutionären“ gegen den Verpackungswahn

Greta Mager, Pressesprecherin bei RECUP GmbH, über das globale Müllproblem, ein deutschlandweites Pfandsystem und die Forderung nach neuen unternehmerischen Rechtsformen.

Während das Bundeskabinett noch mit Gesetzesentwürfen haderte, gründeten Florian Pachaly und Fabian Eckert 2016 das Unternehmen RECUP GmbH, um kurzerhand einfach selbst dem globalen Verpackungswahn entgegenzuwirken.

Die Idee: eine wiederverwendbare Alternative für Einwegbecher und To-go-Verpackungen. Nachdem das Kabinett fünf Jahre später mit der Einführung der Mehrweg-Pflicht für 2023 nachzog, ist RECUP schon längst dabei, seine Ziele erfolgreich umzusetzen. Ein unkompliziertes Pfandsystem für Becher und Schalen mit inzwischen über 20.000 Ausgabestellen erobert Deutschlands To-go-Gastronomie.

Wir haben mit RECUP-Pressesprecherin Greta Mager über Gründungsgeschichte, ein Pfandsystem für Take-away-Produkte und das Unterstützen der „Stiftung Verantwortungseigentum“ gesprochen.

Fabian Eckert und Florian Pachaly haben RECUP im Jahr 2016 gegründet

Wir sprachen mit Greta Mager, zuständig für Presse & Markting bei RECUP

Schön, dass wir miteinander sprechen können Greta. Wie kam es damals eigentlich zur Idee und Entstehung von RECUP?

Danke, ich freue mich auch. Es ist eine recht witzige Geschichte, wie Florian und Fabian als Geschäftspartner zueinanderfanden. Man könnte quasi sagen: Zwei Köpfe, ein Gedanke. Beide hatten nämlich während ihres Studiums die Idee zu einer nachhaltigen Coffee-to-go-Alternative, kannten sich zu dem Zeitpunkt aber noch gar nicht. Eine gemeinsame Freundin, der sie jeweils unabhängig voneinander die Idee erzählten, brachte die beiden dann zusammen.

Rund 20.000 Ausgabestellen deutschlandweit

Und dann legten sie einfach los?

Ganz so einfach war es nicht. Natürlich gab es erst mal eine Testphase. Die fand direkt nach der Gründung 2016 in Rosenheim statt und wurde mit 26 Gastronomie-Teilnehmern durchgeführt. Das Feedback war so positiv, dass das Projekt kurz darauf dann in München anlief. Heute haben wir rund 20.000 Ausgabestellen in ganz Deutschland.

Was genau steckt hinter dem Pfandsystem von RECUP und wie funktioniert es?

Es ist doch so: Wir haben ein gewaltiges Abfallproblem. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Vor allem der Verpackungsmüll nimmt global immer mehr zu und RECUP hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, dem Müllproblem entgegenzuwirken. Wir möchten Verantwortung übernehmen. Mitmachen können Gastronomen, Betriebsgastronomen, Städte und Kommunen, die ihre Abfallmengen reduzieren und nachhaltiger wirtschaften möchten. Sie können dann in unserem Shop Becher bestellen, die sie in ihrem Café, Restaurant oder Laden für ihre Kundschaft bereitstellen.

Die Kunden hinterlegen bei ihrer Bestellung dann einen Euro Pfand als Leihgebühr und geben die benutzten Becher im Anschluss wieder zurück. Und zwar nicht nur dort, wo sie geliehen wurden, sondern bei allen teilnehmenden Betrieben. Da das inzwischen immer mehr werden, muss man auch nicht lange suchen. Wo genau sich RECUP-Partner befinden, ist zudem auch in unserer App einsehbar.

Mitmachen hat verschiedene Vorteile

Ihr nennt euch nicht nur „Weltverbecherer“, sondern auch „Rebowlutionäre“. Was hat es damit auf sich?

(lacht) Ja, das stimmt. Wir wollen uns natürlich nicht auf Mehrwegbecher beschränken und haben deshalb auch Mehrweg-Pfandschalen in Umlauf gebracht. Das System funktioniert genauso wie bei den Bechern. Nur, dass darin Essen transportiert wird und fünf statt ein Euro Pfand hinterlegt wird. Das Ganze nennt sich „Rebowl“ und inzwischen gibt es die Schalen in vier unterschiedlichen Ausführungen.

Gibt es noch andere Vorteile, um bei RECUP mitzumachen?

Allerdings. Zum Beispiel sind unsere Verpackungen zu 100 % recycelbar, schadstofffrei und spülmaschinenfest. Sprich, sie können in jeder normalen Gastro-Spülmaschine gereinigt und an die Kunden wiederausgegeben werden. Außerdem ist unser System sehr flexibel. Merkt ein Restaurant, das es zu viele Becher hat oder manche inzwischen kaputt sind, geht der Überschuss einfach an uns zurück und wird recycelt oder umverteilt.

Sinnorientiertes und verantwortungsvolles Wirtschaften

Wie lange bist du schon Teil von RECUP und was macht das Unternehmen so besonders für dich?

Ich bin seit April 2020 mit dabei. Nachhaltigkeit war für mich schon zu Schulzeiten ein wichtiges Thema. Später habe ich dann Politikwissenschaften studiert und mich währenddessen auf Kommunikation eingeschossen. Kommunikation ist einfach toll. Mit ihr geht aber auch eine krasse Verantwortung einher, da sie entscheidet, wie Menschen etwas aufnehmen.

Ich wollte mich deshalb dort einbringen, wo genauso viel Bewusstsein über diese Verantwortung herrscht. Und der Zusammenhalt bei RECUP ist wunderbar und wir denken uns immer wieder neue lustige Sachen aus. Zum Beispiel „Lunch-Tinder“. Da werden wir jede Woche neu zusammengewürfelt und treffen uns zum digitalen Lunch-Date. Oder gemeinsames Online-Yoga. Was ich auch super finde, ist, dass wir die Initiative „Verantwortungseigentum“ unterstützen.

Worum geht es bei der Initiative?

Um eine neue unternehmerische Rechtsform. „Verantwortungseigentum“ fordert, dass Unternehmensinhaber die Gewinne der eigenen Firma an einen Zweck binden, anstatt Vermögen zu vermehren. Das heißt, Gewinne werden sofort reinvestiert und in den Unternehmenskreislauf gebracht. Die Eigentümer haben währenddessen weiterhin Stimm- und Teilhaberechte, aber keine Gewinnteilhabe.

So wird sichergestellt, dass die Firma dem Unternehmenszweck dient und nicht dem Gewinnstreben der Anteilseigner. Quasi sinnorientiertes und verantwortungsvolles Wirtschaften. Florian und Fabian unterstützen das. Noch existiert so eine Rechtsform aber nicht.

Greta, vielen Dank für das offene und informative Gespräch!

Interview & Text: Nadine Zwingel
Fotos: (c) RECUP GmbH

Mehr über die RECUP GmbH gibt’s auf der Website, Facebook, Instagram, LinkedIn und TikTok.

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