Johannes Schmid:
Wieso zum Teufel mache ich das hier?

Pierra Menta. Eines der anspruchsvollsten Skitourenrennen der Welt. 4 Tage, 4 Etappen im 2er Team. Mehr als 2.500 Höhenmeter pro Tag beim Aufstieg und in der Abfahrt. Dabei sein ist alles.

Johannes Schmid nahm 2024 zum vierten Mal teil und sagt: „Der Kick beim Ankommen ist unbeschreiblich, unvergesslich.“ Doch das ist nicht der einzige Grund, warum er sich diesen Strapazen immer wieder stellt.

Johannes Schmid, privat Trailrunner, Bergsteiger und Skitourengeher, beruflich Head of Communication Advisors & Strategy bei Airbus Defence and Space

„Wenn ich beruflich nach Rat gefragt werde, sage ich gerne: Such dir ein superintensives Hobby! Das Wissen und die Erfahrungen, die du dort rausziehst, sind für deinen Arbeitsalltag von unschätzbarem Wert.“ Die Erkenntnis dieser Wechselbeziehung prägt Johannes‘ beruflichen und privaten Alltag gleichermaßen.

„Ich lerne im Extremsport so viel, was mir im Job hilft.“

Johannes Schmid

Den Stress von der Arbeit auf dem heimischen Sofa „wegchillen“? Bei Johannes Fehlanzeige. Trotz intensiver Arbeitsbelastung im internationalen Umfeld der Unternehmenskommunikation sind für ihn seine sportlichen Hobbys unverzichtbar. „Es muss bei anderen Menschen gar nicht unbedingt Sport, und schon gar nicht Extremsport sein“, ist er sich sicher. „Es geht darum, sich Leidenschaften hinzugeben bzw. zu betreiben, die einen ganz anders fordern als es der Job tut. Was ich daraus dann aber mitnehme, hilft mir genauso bei der Arbeit“.

Am Anfang steht für Johannes aber immer die Frage nach dem „Why“, sprich „Wieso zum Teufel mache ich das hier eigentlich?“ Seine Antwort darauf für das Pierra-Menta-Rennen: „Die Lust am Lernen, genauso aber auch die Lust am Scheitern sind zwei meiner Hauptbeweggründe, sich bei einem Wettkampf wie diesem anzumelden. Und sicherlich gehört auch eine große Lust auf das Unerwartete dazu und die tiefe Selbsterkenntnis, die sich außerhalb der Komfortzone einstellt.“

Doch welche Erfahrungen aus einem Skitourenrennen lassen sich auf den Arbeitsalltag übertragen? Für Johannes gehört dazu, sich Ziele zu setzen und diese klar zu formulieren. Übertragen auf die Pierra Menta: „Einmal im Leben Top 100 sein, körperlich und mental alles geben, zu zweit gesund ins Ziel kommen und Spaß haben.“

Ebenso helfen ihm Kollaboration und Teamplay, um als Führungskraft im Job zu bestehen und zu überzeugen. Bei der Pierra Menta dürfen ausschließlich Zweier-Teams starten, die auch gemeinsam ins Ziel kommen müssen. „Abhängig vom Partner ist es mir bereits passiert, dass in einem Jahr ich meinen Teamkollegen und im anderen Jahr mein Teamkollege mich den Berg hochziehen musste. Das geht nur mit blindem Vertrauen. Jeder bringt seine Stärken ins Team ein in der tiefen Gewissheit, dass der Andere deine Schwächen kennt und ausgleicht. Und wenn nicht, muss 100%ige Offenheit darüber herrschen, ansonsten kann das fatale Folgen haben, egal ob im Hochgebirge, beim Wettkampf oder einem aufwändigen beruflichen Projekt.“

Einen weiteren Punkt, den Johannes als wichtige Erfahrung für seine Arbeit sieht, ist eigenverantwortliches Handeln. „Niemand nimmt dir das Training ab, kein anderer schwitzt und leidet für dich im Vorfeld. Das gilt es vom Anfang bis zum Ende in Selbstverantwortung und mit Gewissenhaftigkeit alleine zu erarbeiten. Nur so ist ein optimales Ergebnis möglich. Das beinhaltet auch viel Stress- und Frustrationstoleranz, wenn’s im Training mal wieder gar nicht läuft. Und wer von uns kennt nicht das Gleiche auch im Job?“

Und auch beim Thema Leadership sieht sich Johannes in der Wechselwirkung zwischen Hobby und Beruf bestätigt: „Das schönste an der Pierra Menta war, wenn ich das Funkeln in den Augen und die Begeisterung meines Teampartners gesehen habe – jeden Tag auf der Strecke. Jemanden bei sich zu haben, der sich zu Höchstleistung motivieren lässt, inspiriert ist und gegen alle Widerstände bereit ist, sich auf etwas einzulassen, ist das größte Geschenk.

Vom 38. Pierra Menta Wettkampf nimmt Johannes aber noch etwas ganz Besonderes mit: „Am Ende habe ich festgestellt, dass meine Planung und Vorbereitung dieses Mal voll aufging und ich keinen großen Fehler gemacht habe. Nach den Selbstzweifeln, die man anfangs und auf dem Weg zum Ziel ja oft hat, ist diese Bestätigung eine unglaubliche Motivation.“

Insofern gehen wir fest davon aus, dass dies nicht Johannes‘ letzte Pierra Menta war und wünschen ihm viel Erfolg bei all seinen weiteren sportlichen Herausforderungen.

Interview & Text: Jenny Röcker
Bilder: Jocelyn Chavy (c) Pierra Menta, (c) Philipp Reiter, (c) Johannes Schmid

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