PLANET P.

Durch meine Spitzbergen-Reisen, auf denen ich viele vermüllte Strände gesehen habe, kam der Drang, diesen Zustand zu verändern. Also habe ich mich umorientiert, weiterentwickelt: vom reinen Erleben und Entdecken dieser Landschaft hin zu »Ich möchte das, was noch übrig ist, bewahren«. Seitdem steht bei allem, was ich in der Arktis mache, im Vordergrund, was ich dort geben kann, sowohl der Region als auch Umweltbotschaften an die Gäste und darüber hinaus. Denn das Einsammeln des Plastikmülls auf Spitzbergen ist zwar gut, aber im Endeffekt muss man an der Quelle ansetzen. Was heißt das für dich? Das heißt vor allem, dass die Politik andere Gesetze schaffen muss, damit unser Planet nicht in Plastik erstickt. Freiwillig wird sich nichts ändern, und wir als Einzelne können das Problem nicht lösen. Trotzdem denke ich, dass die Gesamtsumme des Lebensstils von uns allen Auswirkungen hat. Deshalb vermeide ich Plastik, fahre kaum Auto, fliege privat gar *In Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung entwickelte Birgit 2016 ein Citizen-ScienceProjekt: Auf jeder ihrer Reisen sammelt und quantifiziert sie mit ihren Gästen Strandmüll Schüler*innen ab der 5. Jgst. erzählt Birgit von ihnen Erfahrungen auf Spitzbergen, was es mit glitzernden Duschgels auf sich hat und wie man schon als Zehnjährige etwas für den Klimaschutz tun kann nicht mehr und geschäftlich so wenig wie möglich... … was dir von manchen Leuten wahrscheinlich auch noch vorgeworfen wird. Damit habe ich selbst lange gehadert. Natürlich könnte ich den Klimawandel auch hier auf der Alm erklären, da kann ich hinradeln. Vielleicht ist das ja ein nächster Schritt? Aber die Aufmerksamkeit und der Effekt wären geringer. Durch mein Plastikprojekt* auf Spitzbergen gemeinsam mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven konnte ich dazu beitragen, dass in der Öffentlichkeit bekannt wird, wie viel Müll auch in den entlegensten Ecken der Welt schon angekommen ist, weil viele Medien wie Tagesschau oder SPIEGEL darüber berichtet haben. Was für ein Erfolg! Ja (lacht). Dazu kommt, dass fast alle meine Gäste verändert nach Hause kommen. Sie erzählen mir, dass sie vieles umgestellt haben, und werden zu Multi- plikatoren. Zudem hoffe ich immer, dass Menschen dabei sind, die etwas entscheiden können. All dies hast du nun in ein Buch gepackt. Erzähl doch mal, wie es dazu kam. Ich kenne viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die verzweifelt sind, weil ihre Botschaft zum Klimawandel nicht ankommt, und beobachte selbst verheerende Veränderungen und Entwicklungen. Deshalb war es mir ein Bedürfnis, sowohl diese Wissenschaftler einmal – vor der grandiosen Kulisse Spitzbergens – ganz persönlich erzählen zu lassen, gleichzeitig aber auch die Veränderungen kompetent zu erklären – und vor allem: Mut zu machen. Denn wir können das Ruder noch herumreißen, und das möchte ich ganz deutlich machen. Wir müssen nur wollen! Verzweifelst du nicht langsam, weil doch alles – damit meine ich die Veränderungen in Richtung Umwelt- und Klimaschutz – viel zu langsam oder nicht weit genug gehen? Also, ich verzweifle an gar nichts! Bei mir münden Schock, Wut und Trauer immer in Aktion. Ich muss dann etwas tun. Sicher wird es weiterhin Katastrophen wie das Ahrtal und noch größer geben. Aber gleichzeitig kommen neue Entwicklungen, die uns aus unserer Trägheit katapultieren werden. Es gibt bereits jetzt so viele schlaue Menschen, die komplett umgedacht haben – trotz aller fossilen Kampagnen. Der Klimawandel ist das, was uns Menschen am Ende einen und verbinden kann – jedenfalls die kritische Masse. Deshalb bleibe ich optimistisch, denn: »Wenn man etwas wirklich will, ist alles möglich!«. Interview und Text: Jenny Röcker 22

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