»Ich hatte kaum noch Kraft« »Natürlich ließ mich das nicht kalt. Es ist schwer, nach so einem Verfahren optimistisch in die Zukunft zu schauen. Das Insolvenzverfahren, das mit dem Ende der Kulturküche einherging, ließ mich in ein Loch fallen. Ich hatte kaum noch Kraft danach und musste sie zuerst bündeln, um da wieder rauszukommen. Letzten Herbst war sie dann plötzlich wieder da, diese Energie. Ich empfinde es als großes Privileg, sie in meinem Alter noch immer zu spüren.« Die Energie, von der Bernd spricht, hat er bereits in drei mögliche Aktionen für das Jahr 2024 kanalisiert. Entweder mit dem Hochrad quer durch Amerika fahren, mit dem Hochrad Australien umrunden oder aber endlich den bereits lang gehegten Traum realisieren: Zu Fuß um die Welt laufen. Was in fremden Ohren schier verrückt klingt, ist in Bernds Welt Lebensphilosophie. »Je älter man wird, desto schwieriger ist es, diese Möglichkeiten auch zu ergreifen. Nicht aus Unfähigkeit, sondern aus Angst und Gewohnheit. Innere Barrieren werden nicht kleiner, je länger wir uns in unserer Komfortzone aufhalten. Ich weiß das, ich überschreite sie schließlich regelmäßig.« (lacht) »Ich muss mir nichts mehr beweisen« Dass er vor seinen Herausforderungen Fieberblasen vor Stress und Aufregung bekommt, daraus macht der Extremsportler keinen Hehl. Doch was sich nach wenigen Tagen an positiven Selbsterfahrungen einstellt, scheint das Brennen und Jucken allemal wert. So beschreibt er mitunter einen mitfühlenderen und offeneren Blick auf die Welt, den er bei seinen Aktionen erlangt. Und auch einen viel gnädigeren Blick auf sich selbst. Ob das süchtig macht? Auf die Frage, ob es nicht irgendwann mal genug sei mit den ganzen Aktionen, antwortet Bernd jedenfalls völlig zweifelsfrei: »Ich muss mir nichts mehr beweisen. Ich mache das aus Überzeugung und um zu zeigen: Schaut her, was alles möglich ist! Wie bereichernd Momente auch außerhalb der Komfortzone sind. Wie sich Komfortzone dadurch ausdehnen kann. Früher war sicherlich die Leistung eine große Motivation für mich. Heute ist es das Erleben. Nicht das Ziel, sondern der Weg zum Ziel, wie es so schön heißt.« »Lieber einfach machen als nur schlau daherreden« Zu innerer Ruhe durch Wagnisse und wachen Weltblick. In spannungsvollen Zeiten wie diesen sicherlich kein Leichtes und eine Auffassung, die im Außen nicht immer gut ankommt. So sieht sich Bernd auch als Spiegel zur alternden Wohlstandsgesellschaft. Mit seinem Engagement will er zurückwerfen, dass »einfach machen« manchmal besser ist als »schlau daherreden«. Sein Wunsch: inspirieren und die Menschen ermutigen, nicht steJEDER TAG BIETET 1000 MÖGLICHKEITEN Ob mit dem Tretroller ans Nordkap … ... oder per Drahtesel nach Afrika, Bernd ist immer für eine gute Sache unterwegs Augsburg hat Bernd mit seinem Hochrad schon erobert. Nächste Station Australien? 8
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